• jenniferkaiser3

Mein Kollege der Roboter und was ich von ihm lernen kann


Der Spiegel berichtet: „Millionen Jobs werden aufgrund von Industrie 4.0 und der Digitalisierung wegfallen.“

Kann das sein?

Die FAZ schreibt: „Roboter und Computer verdrängen zigtausende Arbeiter und Angestellte in Deutschland.“

Nicht wirklich oder?

Doch! Ich bin mir sicher, dass sehr viele Jobs so wie wir sie jetzt kennen in den nächsten Jahrzenten aussterben werden. Trotzdem glaube ich, dass wir äußerst optimistisch auf die Arbeitswelt von morgen blicken können.

Gehen wir aber erst nochmal einen Schritt zurück. Die Thematik der sich verändernden Arbeitswelt wird derzeit sehr konträr diskutiert. Einige Menschen sind besorgt und fürchten um ihre Arbeitsplätze, andere sehen in der digitalen Transformation erhebliche Chancen und Wachstumspotenzial.

Läuft man heute durch das Werk von BMW oder von Audi, dann sieht man jetzt schon ganze Produktionsschritte, die nur von Robotern erledigt werden. In der Fertigung und Logistik hat sich in den letzten 20 bis 30 Jahren bereits einiges geändert. Roboter assistieren Menschen beim Zusammenbau von Produkten oder in der Lagerhaltung. Hier ist der Kollege Roboter schon nicht mehr wegzudenken.

Die umwälzenden Veränderungen der digitalen Arbeitswelt haben hier bereits stattgefunden. In anderen Bereichen werden sie jedoch noch erfolgen. Dazu gehört die klassische Büroarbeit, die seit der Einführung von PCs und dem Einsatz von Office Software keine großen Veränderungen mehr durchlaufen hat. Gerade dieser Bereich wird sich jedoch in den nächsten Jahren enorm verändern. Bei Bürokräften und Sekretären existiert dabei derzeit noch besonders viel Potential, beispielsweise indem durch Spracherkennung Schreibarbeiten vereinfacht und beschleunigt werden. Ebenso müssen Menschen sobald die Logistikkette demnächst nahtlos per Mini-Chip zu verfolgen ist, keine Lieferscheine mehr prüfen, Bestelllisten abhaken und Rechnungen schreiben.

Einfache und sich wiederholende Büroarbeiten werden in der Zukunft wohl mehr von Algorithmen als von Menschen erledigt. Dass Algorithmen die Büros entvölkern, ist trotzdem unwahrscheinlich. Jedoch wird künftig vermutlich ein höheres Qualifikationsniveau der Beschäftigten gefordert.

Welche Kompetenzen werden in der Zukunft besonders gefragt sein?

Durch die sich verändernden Rahmenbedingungen müssen wir uns die Frage stellen, was sind die Anforderungen die Beschäftigte in der digitalen Arbeitswelt von morgen mitbringen müssen. Das werden unter anderem all jene Kompetenzen sein, die nicht im selben Umfang von Robotern und Computern imitiert und ausgeführt werden können. Doch wo liegen unsere Stärken im Vergleich mit Robotern? In welchen Gebieten kann uns ein Computer nicht so schnell überholen? Diese Kompetenzen, die uns nachhaltig von Robotern, Maschinen und künstlicher Intelligenz unterscheiden, gewinnen an Bedeutung, um den persönlichen Marktwert aufrecht zu erhalten.

Laut einiger Forscher ist der Mensch besonders bei den Sozial- und Methodenkompetenzen den Computern weit überlegen. Zu diesen Kompetenzen gehört zum Bespiel die Ideenbildung, bei der vor allem Kreativität, Innovation und Unternehmergeist benötigt werden. Diese bringen Computer jedoch nicht mit und können somit beispielsweise keine neuen Geschäftsideen entwickeln oder einen spannenden Roman schreiben. Außerdem gibt es noch keine Software die selbst gute neue Software entwickeln kann. Computer sind nämlich vielmehr dazu gemacht Antworten zu generieren, nicht aber interessante neue Fragen zu formulieren. Fragen sind jedoch wichtig, um einen kreativen Prozess zu starten und Ideen zu schöpfen.

Außerdem besitzen Computer keine Emotionen. In allen Bereich in denen zwischenmenschliche Beziehungen sehr wichtig sind, können Computer deshalb nur schwer Menschen ersetzen. Sei es bei der Pflege, der Erziehung von Kindern oder dem Coachen, Motivieren und Führen von Menschen. Ebenso die Empathie um komplexe Kommunikationen zu führen, wie sie beispielsweise bei Verhandlungen gebraucht wird, fehlt den Computern. In diesen Bereichen werden Computer auch in der Zukunft dem Menschen nur assistieren können.

Wie können diese Kompetenzen vermittelt werden?

Einige Wissenschaftler bemängeln, dass gerade die Fähigkeiten, die wir besser beherrschen als die Maschinen, meist nur sehr schwach in Schulen vermittelt werden. Damit diese Kompetenzen auch in Zukunft vom Menschen noch besser ausgeführt werden als von Maschinen, sollten sie jedoch bereits frühzeitig gefördert werden. Die Bildungspolitik muss deshalb besser und systematisch auf den digitalen Wandel ausgerichtet werden.

Doch auch Menschen die bereits im Berufsleben stehen dürfen von der digitalen Arbeitswelt nicht abgehängt werden. Notwendig ist daher eine umfassende, langfristig ausgerichtete Qualifizierungs- und Weiterbildungsstrategie.

Die Bundesagentur für Arbeit könnte hier als Dienstleister agieren, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber in den Bereichen zukünftiger Arbeitsmarkt, Qualifikationen und Weiterbildung berät. Ebenso könnten über die BA unterstützende Strukturen angeboten werden, die kleinen und mittleren Betrieben ein Pooling von Weiterbildungsfähigkeiten ermöglichen. Regional könnten sich Betriebe in Bündnissen zusammenfinden, um ihren Mitarbeitern vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten, die sie allein nicht leisten können. Auch andere Formen allgemeiner staatlicher Förderungen bei der Weiterbildung sollten diskutiert werden, etwa eine Lohnersatzleistung nach Vorbild des österreichischen Modells der Bildungsteilzeit.

Fazit?

Eine positive Entwicklung der digitalen Transformation ist kein Selbstläufer, sondern eine gesellschaftliche und ökonomische Gestaltungsaufgabe. Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland hängt entscheidend von der guten Bildung und Qualifikation seiner Arbeitskräfte ab. Die Politik muss angesichts des digitalen Wandels einen gut ausgestatteten Instrumentenkasten nutzen. Der Erwerb digitaler Kompetenz sowie Sozial- und Methodenkompetenzen sollte zu einem zentralen und messbaren Erfolgsfaktor in unserem Bildungssystem werden. Von der Schule über die Ausbildung bis hin zur Hochschullehre und der beruflichen Weiterbildung. So ist in der digitalen Transformation grundsätzlich eine große Chance für Deutschland zu sehen, wenn die Weichenstellungen richtig gesetzt werden.

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